Entgeist - Welk
Wenn die sengende Julihitze das Land im Würgegriff hält und jeder Atemzug schwerfällt, sehnt man sich nach einer bitterkalten Zuflucht. Genau diese Düsternis brachte nun über uns herein und das an einem Tag, dessen nackte Zahlen sich ohnehin unauslöschlich ins Gedächtnis brennen: Dem 26.06.26.
Nach vier Jahren beharrlicher Reifung im Verborgenen entfesseln die Modern Black Metal Künstler ENTGEIST aus der Käthchenstad ihr nächstes Kapitel ihrer Musikgeschichte. Entgeist verleien wie anbeginn ihrer musikalischen Karriere auch dem neuen und zweiten Langspieler "Welk" ihren charakteristischen "Entgeist" Sound.
Der Einstieg in den Abgrund
Das Werk öffnet sich nicht mit einem rücksichtslosen Schlag, sondern kriecht wie kalter Dunst aus den Tiefen. "Am Rande der Finsternis" beginnt in absoluter Agonie der Stille. Das rhythmische Echo fallender Wassertropfen und eine einsam klagende, cleane Gitarre zwingen den Hörer zuerst in Habachtstellung, fast zweifelnd, ob das Tonsignal überhaupt schon steht. Vor dem inneren Auge formt sich das Bild einer nebelverhangenen, lichtlosen Höhle.
Doch die vermeintliche Ruhe trügt. Als der Song schließlich seine Maske fallen lässt und mit erbarmungsloser Härte zuschlägt, entfaltet sich ein meisterhaft inszeniertes Chaos. Wo andere Bands in stumpfe Raserei verfallen, weben Entgeist hier Dissonanzen, die trotz ihrer schneidenden Kälte seltsam organisch, fast „weich“ und einnehmend wirken. Es ist ein brutaler, technischer Sturmlauf aus Blastbeats und abrupten Rhythmuswechseln, durch den sich Tims Stimme voller Verzweiflung und blanker Wut frisst.
Diese sechs Minuten reiner, entfesselter Energie setzen das Fundament für das gesamte Album. Erholung gewährt das Songwriting nur als flüchtigen Übergang, bevor die nächste Welle hereinbricht. Textlich manifestiert sich hier eine düstere Apokalypse: Trotz der gutturalen Härte bleibt jedes verzweifelte Wort verständlich und seziert die vertrauten Abgründe aus Lethargie, Selbsthass, Angst und dem nackten Schmerz des Daseins, tief verwurzelt im Beton und dem sterbenden Puls der modernen Gesellschaft.
Der Zerfall des Individuums
GEFANGEN IN DER ZEIT:
AUSERZÄHLT:
Ein absoluter Höhepunkt. Die Komposition verbindet Post-Black Metal mit technischem Death Metal. Das Ganze ist komplex, abwechslungsreich und dennoch findet jedes Element instinktiv seinen Platz. Die rasanten Blastbeats und Double-Bass Passagen dürften jeden Fan extremer Gangarten abholen, getragen von dichten, aber melodiösen Zeilen. Ein Song, den man nicht beschreiben kann; man muss ihn hören und fühlen!
IMPERFEKTION:
Zwischen Ohnmacht und Raserei
LETHARGIE WEICHT WUT:
FATIGUE / FASSADE:
Das atmosphärische Instrumental „Fatigue“ dient als perfekter Katalysator, um Emotionen zu schüren, und gleitet nahtlos über in das experimentelle „Fassade“. Hier weicht die technische Death Metal Kante fast vollständig. Die Drums und Gitarren atmen den Geist traditionellen Black Metals, eingebettet in eine kalte Anonymität, ohne dass der charakteristische Entgeist-Sound verloren geht.
EIN FLAMMENMEER:
Das endgültige Verwelken
VERWELKT:
FUNKENSPIEL:
Das Resümee dieses akustischen Kahlschlags
Entgeist bewahren ihren ureigenen Kern, ohne auch nur sekundenweise in gähnende Redundanz zu verfallen. Das Werk atmet eine ungezähmte, verzweifelte Raserei, die sich wie eine Klaue im Verstand festfrisst, die Sinne heftig durchschüttelt und den Griff erst lockert, wenn die absolute Stille einkehrt. Durch den ständigen Wechsel von vertrackter Rhythmusarbeit, abrupten Rissen im Klangteppich und atmosphärischen Black Metal-Wänden entsteht eine packende Dynamik, die keine Sekunde Leerlauf zulässt. Eine Veröffentlichung von monumentaler Substanz, ein rares Fundament in einer Welt, die sonst nur noch an der banalen Oberfläche kratzt.
Tracklist
- Am Rande der Finsternis
- Gefangen in der Zeit
- Auserzählt
- Imperfektion
- Lethargie weicht Wut
- Fatigue
- Fassade
- Ein Flammenmeer
- Verwelkt
- Funkenspiel
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