Thursday, August 6, 2026

Incantation Tour 2027 - Nordjevel, Svarttjern, Malphas, Unviâr

 INCANTATION TOUR 2027


Nach langem Rätseln, Warten und Spekulieren haben die vier Bands heute die Katze aus dem Sack gelassen: Die INCANTATION TOUR 2027 ist offiziell bestätigt!

Allen Black Metal Enthusiasten dürfte hierbei sofort die Kinnlade herunterklappen. Was uns hier serviert wird, ist schließlich keine belanglose Nebenbei-Tournee, die man mal mitnimmt, wenn das Wochenende leer ist. Mit NORDJEVEL, SVARTTJERN, MALPHAS und UNVIÂR zieht im Frühjahr 2027 ein gewaltiges Donnern durch Europa.


NORDJEVEL


Nordjevel ist eine norwegische Black Metal Band, die 2015 von Sänger Doedsadmiral und Gitarrist Nord ins Leben gerufen wurde. Kurze Zeit später stieß Bassist DezeptiCunt (ex-Ragnarok) hinzu. Für das selbstbetitelte Debütalbum Nordjevel (2016) holte sich das Trio Fredrik Widigs (ex-Marduk) als Session-Drummer im Studio dazu. Mit dem Einstieg von extrem versierten Musikern wie Schlagzeuger Dominator (ex-Dark Funeral) und Gitarrist Destructhor (ex-Morbid Angel, Myrkskog) entwickelte sich Nordjevel von einem Studioprojekt zu einer extrem durchschlagskräftigen Live- und Album-Formation.

Musikalisch verbinden Nordjevel die frostige Aggression der zweiten norwegischen Black Metal Welle mit technischer Präzision, hämmernden Blastbeats und einer wuchtigen, modernen Produktion.

Nach dem Debüt folgten die EP "Krigsmakt" (2017) und das zweite Album "Necrogenesis" (2019), auf dem die Band ihren Sound spürbar technischer gestaltete. Über die EP "Fenriir" (2021) führte der Weg schließlich zum 2022er Album "Gnavhòl", das von Fans und Presse oft als ihr bisheriger Höhepunkt gefeiert wird: abwechslungsreich, düster und vollkommen unbarmherzig!

Durch weltweite Auftritte auf Festivals wie dem Wacken Open Air, Hellfest, Bloodstock Open Air oder dem Maryland Deathfest haben sich Nordjevel als eine der verlässlichen Größen im modernen Extreme Metal etabliert.

SVARTTJERN


Ein Blick auf die Diskografie verrät sofort, wo die Reise hingeht. Wo andere Bands mit der Zeit weicher werden oder sich in endlosen Streicher-Arrangements verlieren, hämmern die Osloer seit 2003 ein Brett nach dem anderen raus. HansFyrste und sein Bruder HaaN haben von Anfang an einen Ton angeschlagen, der ordentlich Dreck am Stecken hat. Da trifft die alte norwegische Schule frontal auf die rotzige Kante von Thrash und Punk!

Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Alben. Schon auf „Misanthropic Path of Madness“ und „Towards The Ultimate“ war klar, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. „Ultimatum Necrophilia“ und „Shame Is Just a Word“ haben diesen Faden konsequent weitergesponnen, bis sie mit „Draw Blood“ schließlich nachgelegt haben. Da wird nichts schöngezeichnet, da gibt es keine Atempause. Ihre provokante Show fasziniert noch heute die Szene!

Dass die Jungs ihr Handwerk verstehen, kommt nicht von ungefähr. HansFyrste hat jahrelang den Mikrofondienst bei den Urgesteinen von Ragnarok geschoben und dort Spuren hinterlassen, während Bassist „Malphas“ und Gitarrist „Audun“ (Erik Sæther) unter anderem bei Carpathian Forest und Urgehal ihre Muskeln spielen ließen. Wie gut dieses Zusammenspiel greift, konnte man 2024 beobachten, als sie zusammen mit Malphas (der Band...) und Three Eyes of the Void unterwegs waren und die Clubs ohne Umwege zerlegt haben!

MALPHAS


Malphas ist längst keine Band mehr, die nur dem Schweizer Untergrund ein Begriff ist. Vor gut zwölf Jahren fanden sich drei Köpfe zusammen, um tiefe Spuren in der Black Metal Landschaft zu ziehen. Bereits im April 2015 erschien ihre erste EP "Occult Propaganda", damals noch mit BW am Bass. Der erste richtige Meilenstein folgte jedoch mit dem Debüt "Incantation", ein Werk, das mit seinen sieben charakteristischen Tracks bis heute nachhallt und dem die kommende Tour ihren Namen verdankt.

Mit "Divinity’s Fall" lieferten sie 2022 ein Album ab, das rohe Intensität mit einer erdrückenden emotionalen Tiefe verbindet. Es markiert zugleich den ersten offiziellen Einstand von Drummer J., dessen unverkennbares Schlagzeugspiel das Klangbild von der ersten Sekunde an prägt. Die folgenden Jahre brachten personelle Wandel mit sich, die das heutige Gefüge formten: Näbugring (Chotzä, Taubrą, ex-Chimæra) übernahm den Bass, G. komplettierte die Saitenfront. In genau dieser Besetzung, zusammen mit J., Xezbeth und Ravendust, werden sie auch die Bühnen der kommenden Tour zerlegen.

Obwohl Malphas einige Besetzungswechsel hinter sich haben und sich ihr Stil vom recht rohen Ursprung hin zu einem präzisen, von schwedischer Melodik durchzogenen Black Metal entwickelt hat, bleibt die DNA unverändert. Jedes ihrer drei Alben besitzt seine eigene Geschichte und Härte, doch der Griff zurück zum Debüt zeigt uns, wie zeitlos das Fundament dieser Band von Anfang an war.

UNVIÂR


Es hat fast etwas Magisches, diesen Namen hier niederzuschreiben und die Band in dieser Tour zu begrüssen. Lange Zeit schien es kaum vorstellbar, sie überhaupt jemals live zu erleben und mit dieser Tour steht nun schon das dritte Wiedersehen bevor. Die Kunst von Unviâr in Worte zu fassen, ist ein schier unglückliches Unterfangen. Ihre Musik besitzt eine so tief greifende, atmosphärische Schwere, dass bloße Beschreibungen kaum ausreichen.

Wer im Atmospheric Doom und Death Metal bewandert ist, dürfte mit dem Namen "Gates Of Doom" vertraut sein. Aus den Trümmern genau dieser Formation, die über ein Jahrzehnt lang die Szene prägte, erwuchs schließlich Unviâr.

Die Norditaliener tragen die raue Natur und die Geschichten ihrer friulanischen Heimat direkt in ihren Sound. Bereits ihre Debüt-EP "Faliscjis" aus dem Jahr 2023 hinterließ tiefe Spuren: Zwei monolithische Tracks, die an die 20-Minuten Marke hämmerten und eine gewaltige, schwere Ästhetik entfalten. Im Herbst 2025 folgte mit "Disglaç" schließlich das lang erwartete Debütalbum. Die fünf Kapitel führen direkt in frostige, unberührte Landschaften und lassen den Hörer in die dunklen Mythen ihrer Heimat eintauchen.


Wer sich diese Tour entgehen lässt, verpasst eines der Highlights des Jahres. Tickets ab sofort überall erhältlich - greift zu, bevor die Buden voll sind!

Incantation tour 2027

Tour Dates & Venues

24.03.2027 Warsaw, Poland Voodoo Club
25.03.2027 Krakow, Poland Klub Zascianek
26.03.2027 Berlin, Germany Musikbrauerei
27.03.2027 To Be Announced
28.03.2027 Bochum, Germany Matrix
29.03.2027 Namur, Belgium Belvedere
30.03.2027 London, United Kingdom Underworld
31.03.2027 Haarlem, Netherlands Patronaat
01.04.2027 Hamburg, Germany Bambi Galore
02.04.2027 Lichtenfels, Germany Ragnaräk Festival
03.04.2027 Luzern, Switzerland Südpol
04.04.2027 Colmar, France Le Grillen
NORDJEVEL | SVARTTJERN | MALPHAS | UNVIÂR

Saturday, August 1, 2026

MODERN RITES: Eine phänomenologische Rezeption

 MODERN RITES: Eine phänomenologische Rezeption 


Wir verfallen im Umgang mit Kunst nur zu leicht einer bequemen Anmaßung: Wir glauben zu wissen, wie ein Genre zu klingen hat, verwechseln persönliche Sehnsüchte mit ästhetischer Wahrheit und pressen das Schaffen eines Musikers in die Enge unserer eigenen Erwartungshorizonte. Doch das eigentliche Wunder des Hörens liegt nicht im Bestätigen von Schemata, sondern im Zerbrechen dieser geistigen Erstarrung.

Es grenzt an eine Offenbarung, einer scheinbar vertrauten Band erneut zu begegnen und festzustellen, dass nicht die Musik geschwiegen hatte, sondern die eigene Wahrnehmung taub war – zumindest zu jenem Zeitpunkt. Modern Rites haben mir genau diese Einsicht abgefordert. Das erneute Einlassen auf ihr Werk glich keiner bloßen Erinnerung, keinem flüchtigen Auszug aus einer gewöhnlichen Wiedergabeliste, denn es fühlte sich an wie eine Erstbegegnung - ein Freilegen verschütteter emotionaler Schichten, als hätte das Gehör erst jetzt gelernt, die Nuancen ihrer Existenz wahrhaftig zu dechiffrieren.





Um die Tragweite dieser wiederentdeckten Faszination zu begreifen, bedarf es eines Blicks auf das Fundament, auf dem dieses Klangkonstrukt ruht. Denn was sich im Gehör entfaltet, ist das Resultat einer zielgerichteten, grenzüberschreitenden Symbiose. (Ich lag tatsächlich auf dem kühlen Boden, als ich MODERN RITES' Diskographie durch mich wandern liess)

Frequenzlandschaften aus Dystopie und Sakralität


MODERN RITES ist die Synthese zweier autarker ästhetischer Welten, formiert im Herbst 2020 von Berg, dem klanglichen Architekten der Schweizer Formationskunst AARA, und Jonny Warren, dem Multiinstrumentalisten, Vokalisten und visuellen Gestalter der US-amerikanischen Experimental-Band KUYASHII. Das Duo manifestiert ein Klanggebilde, das die Dystopie des Industrial mit den melodischen Abgründen des Black Metal verschmilzt.

Entsprungen aus dem Geist kühner Experimentierfreude und getragen von gegenseitiger künstlerischer Ehrerbietung, wuchs über geografische Distanzen hinweg ein Werk, das kulturelle Barrieren mühelos transzendiert. 


Anatomie jener Spiegelbilder


Inhaltlich widmet sich das Projekt den existenziellen Dissonanzen der conditio humana. Die Lyrik vollzieht einen schonungslosen Abstieg in die Topografie der Psyche, sezierende Isolation, innere Verwerfungen und die stetige Metamorphose des eigenen Schatten-Ichs.

Aufbauend auf dem hochgelobten Erstlingswerk erhebt das Album „Endless“ die künstlerische Vision des Duos auf ein vollendetes Niveau. In einem stetigen Ebben und Fluten zwischen Beklemmung und furioser Zuversicht formt das Werk eine hymnenhafte, unbarmherzige Anatomie des menschlichen Daseins.

Katharsis...


Endless“ ist für mich ganz klar eine Reifung des Projekts. MODERN RITES forderten von mir schlichtweg mehr als nur das einsame Dasitzen und Nebenbeihören, es zwang mich dazu, mich zu erden und die Kompositionen zu studieren. Wer bereit ist, seine eigenen Hörerwartungen zu opfern, wird in dieser Dystopie eine unerwartete, läuternde Schönheit finden. 


Sunday, July 26, 2026

REVIEW: BRENEK - Das Tote Ganze (Debüt EP)


BRENEK - Das Tote Ganze (Debüt EP)


Das tote Ganze"  ist meilenweit entfernt von einer perfekten, überproduzierten Produktion. Die Kiste knarzt, aber entwickelt gerade durch dieses Ungehobelte eine Eigendynamik, bei der man gerne mehrmals hinhören darf.


BRENEK nennt sich das Duo aus Weimar. Was mich von Anfang an anzog, war nicht nur die Einordnung im Progressive Black Metal, was seit Beginn meiner Black Metal Leidenschaft ohnehin mein absolutes Lieblingsgenre ist, sondern auch der Name des Projekts selbst. Brenek lässt mich persönlich sofort an Feuer denken. Ob die Wurzeln tatsächlich im Slawischen liegen, entzieht sich meiner Kenntnis, doch als Metapher ist das Subjekt „Feuer“ keineswegs abwegig. Diese EP brennt sich in den Gehörgang - manchmal hinterlässt sie Glut mit einem fragenden Gesichtsausdruck, manchmal ein Staunen und den Gedanken, was ein solch kleines Feuerchen noch nach sich ziehen könnte.




Alte Wurzeln, neue Flammen


Auch wenn „Das Tote Ganze“ ihre Debüt-EP ist und man meinen könnte, hier betreten zwei Neulinge zum ersten Mal die dunklen Pfade des extremen Metal: Weit gefehlt. "Schlargh" tut bereits seit 1999 bei der deutschen Melodic Death Metal Truppe Abrogation sein Unwesen hinter den Drums, und auch Brants (Vocals, Gitarre & Bass) klangliche Fussabdrücke reichen fast zwei Jahrzehnte weit zurück, lange vor der Geburt von Brenek.

Was uns die beiden am 8. Juni in die Hände entlassen haben, trägt absolut nichts von einer modernen Überproduktion. Vier Songs, eine Spielzeit von genau 23 Minuten und 48 Sekunden, wobei drei der vier Tracks stramm an der Sechs Minuten Marke kratzen!

BRENEK balancieren hier auf der Schnittstelle zwischen Nostalgie und Fortschritt. Statt puristischer Verharmlosung oder radikaler Dekonstruktion nutzen sie avantgardistische Zwischentöne als Werkzeug, um das klassische Grundgerüst aufzuwerten. Das Ergebnis erweckt Traditionsbewusstsein, gleichzeitig aber auch genug Eigenständigkeit, um verstaubte Hörstrukturen aufzubrechen.

Leben Ist Silber (Leiden Ist Gold)


Ein tieffrequentes Fundament und aufheulende Saiten brechen das Schweigen, während eine giftige, schleifende Poesie augenblicklich eine finstere Kulisse erschafft. Wer versucht, den verbitterten Wortkaskaden inhaltlich zu folgen, wird sofort von einer rohen, gewaltigen Klangwand überrollt. Aus vollendeter Ablehnung gespeist, verbindet das Zweigespann die ursprüngliche DNA des Genres mit weitläufigen Strukturen. Es entsteht ein eisiger Raum, in dem urtümliche Raserei auf schmerzhafte Disharmonien trifft. Unerwartete, fast schon genrefremde Akzente von akustischen, folkig angehauchten Einschüben mitten im Stück bis hin zu wiegenden Rhythmen, einem tragenden Solo und einem zähen, wuchtigen Ausklang - brechen die Starre auf und hinterlassen ein zutiefst rohes und doch irgendwie elegantes Gesamtkunstwerk.

Die Poesie der Unberührtheit


Musikalisch passiert auf diesem Werk enorm viel: Die unaufhörlich sirrenden Gitarren weben einen dichten, düsteren Teppich. Genau diese sture Monotonie sehe ich keineswegs als Makel, sondern als grösste Stärke der Kompositionen, sie brennt die zugrundeliegende Melancholie tiefer in den Kopf, als es jedes überproduzierte Riff je könnte.

Mit „Das Weltenschwelen“ marschiert die Scheibe auf demselben dunklen Pfad weiter. Wer sterile, im Studio glattgebügelte Fließband-Produktionen erwartet, wird beim späten, bockigen Saitenausflug vermutlich kurz stutzen. Doch exakt diese unpolierte Sperrigkeit verleiht der Nummer eine unverfälschte, Seelen-seziierende Authentizität... auch wenn ich kurz ein Auge zukniff.

In „Der Wolf, der Narr“ folgt schließlich der vollständige Abstieg in den Dreck. Wo feingeistige Klangfetischisten nur ein unstrukturiertes Gepolter ausmachen wollen, offenbart sich für Anhänger der alten Schule die wahre, ungezähmte Faszination des Untergrunds. Ein staubiger, roher Sound, der den Sack zum Beginn der Veröffentlichung nahtlos zumacht.

Ein roher Diamant


Das Tote Ganze“ ist ein zweischneidiges Schwert: Überzeugend finde ich persönlich genau diese holprigen Stellen, den unrunden Mix und das Gefühl, etwas Echtes, menschengemachtes im Gehörgang zu haben. Und dennoch gibt es Momente, bei denen so mancher Verfechter von Studio-Perfektionismus kurz große Augen machen dürfte. Es ist kein todgeschliffenes Messer, sondern ein roher Diamant, dessen unpolierte Ecken und Kanten das Licht in viele verschiedene Richtungen brechen. Ob man das schätzt, bleibt wie immer subjektiv - Ich für meinen Teil trage die Narben dieses Werks mit Stolz und bin höchst gespannt auf die Zukunft des Projekts.

nebelfund@gmail.com

TRACKLIST

  1. Leben ist Silber (Leiden ist Gold)
  2. Mein Tod
  3. Das Weltenschwelen
  4. Der Wolf, der Narr

Wednesday, July 22, 2026

XAON - Ein Tor schliesst sich in den französischen Alpen

XAON - EIN  SCHLIESSENDES TOR AUS DEN FRANZÖSISCHEN ALPEN


Eine kleine Welt bricht zusammen, doch die Ruinen werden noch viele weitere Jahre bestaunt werden. Diese Worte richten sich an eine Melodic Death Metal Band, die die französischen Alpen ihr Reich nennt: Xaon.

Drei Alben haben mich durch meine Jugend begleitet. Ich war gerade einmal zwölf Jahre alt, als ich im Jahr 2016 das erste Mal von ihnen hörte. Schon als junger Zwerg war ich unaufhörlich auf der Suche nach Bands aus unserer Heimat, in deren Adern ein ganz spezielles Blut und eine unbändige Kreativität fliessen. Wie so viele war auch ich damals tief begeistert von den alten Werken von Septicflesh, doch stellt euch vor: Eine Band aus dem eigenen Land produziert Musik aus fast demselben Trog und würzt sie mit einer ganz eigenen, unverkennbaren Note. Das war ein riesiges Tor, das sich meinem jungen Ich öffnete, und all diese Jahre habe ich Xaon ganz nahe an meinem Herzen getragen.




Die süssbittere Kunde

Mit riesiger Freude erfuhr ich vor Kurzem, dass eine der prägendsten Bands meiner Teenagerzeit tatsächlich einen gig in der MetBar spielen wird, eine Location, wegen der ich sie vor einiger Zeit sogar selbst angeschrieben und gefragt hatte, ob sie dort nicht wieder einmal die Bühne betreten würden. Doch so gross die Freude über diese Live-Verkündigung war, so schwer traf mich der doppelte Schlag kurz darauf, denn es wird ihre allerletzte Tournee sein, auf der sie von Vortex aus Kanada begleitet werden.


Wege trennen sich, und das Leben geht unaufhaltsam seine eigenen Pfade. Dennoch bin ich unendlich dankbar, Xaon nun das erste und gleichzeitig das letzte Mal live erleben zu dürfen, bevor diese Wege endgültig auseinandergleiten.
 

Gänsehaut und feuchte Augen...

Dieser Text ist massenlos sentimental, verzeiht mir das, aber manche Momente sind schlichtweg von purer Emotionalität geprägt. Bereits jetzt, während ich vor dem Bildschirm sitze und ihre Musik höre, jagt mir eine Gänsehaut von unten nach oben über den Rücken, und meine Augen werden feucht, wenn ich mich daran erinnere, wie viel mir diese Songs als Teenager gegeben haben. Noch heute erkenne ich jedes einzelne Stück am allerersten Ton.


XAON - Ein weltweiter Hall


In erstaunlich wenigen Jahren hat sich die alpine Gruppe die weltweite Aufmerksamkeit erspielt. Ihr gefeiertes Debüt „The Drift“, welches 2017 erschien, verschaffte ihnen einen hallenden Ruf auf gleich drei Kontinenten. Sie tourten mit Paradise Lost und Eluveitie, bereisten Japan an der Seite von Obscura und Archspire und hinterliessen ihre bleibenden Spuren in den USA mit The Veer Union. Grosse Namen wie Megadeth, Testament, Exodus und sogar Gojira teilten sich bereits die Bretter mit Xaon.


Mit dem Nachfolger „Solipsis“ im Jahr 2019 verstummten die letzten Zweifler endgültig, gefolgt von einer erbarmungslosen Tournee mit Septicflesh – wo sich für mich der Kreis wieder schliesst – und Krisiun.


Ein unwiderrufliches Begräbnis



Ihr dritter Langspieler „The Lethean“ (2021) trieb ihre Präzision und dunkle Aggressivität schliesslich auf ein völlig neues Podest, welches ihnen im Jahr 2023 den wohlverdienten Auftritt auf dem heiligen Wacken Open Air ebnete.


Nach ihrer triumphalen Kanada-Tournee im letzten Jahr erreichte uns am 18. Februar dieses Jahres, 2026, jedoch die bittere Kunde, denn Xaon verkündeten ihr endgültiges Erlöschen. Diese Tournee markiert das unwiderrufliche Begräbnis des Projekts.


Die allerletzte Audienz (Du!?)


Und genau deshalb ist dieser Gig in der MetBar Lenzburg eure allerletzte Gelegenheit, diese absolute Ausnahmeband live zu erleben. Es ist der einzige und exklusive Gig in der gesamten Schweiz!


Auch ich werde an diesem Abend vor Ort sein. Falls ihr tiefgängigen Melodic Death Metal schätzt, lege ich euch den untenstehenden Link zum Event wärmstens ans Herz. Kommt vorbei und lasst uns diese Band bei ihrem letzten Abgang mit aller Kraft unterstützen!

nebelfund@gmail.com


Hier geht es zu den Tickets (echt preisfreundlich!)
🎫 XAON TICKETS! 🐸

Monday, July 20, 2026

Review: Escumergamënt - Apparebat Eidolon Senex

Escumergamënt - Ein disziplintreibendes Gespenst!?





Disziplin ist bekanntlich Kopfsache, doch muss das eigentlich immer so sein? Escumergamënt, ein Projekt, das sich tief hinter dem undurchdringlichen Tuch der Kunst verbirgt, verlangt eine ganz andere Art von Hingabe. Hinter der Truppe stehen schweigende Mitglieder der beiden schwedischen Black Metal Bands „Stilla“ und „Setherial“. Letztere, die vor allem von 1993 bis 2013 extrem prägend unterwegs waren, durften mir heute eine ganz neue, faszinierende Seite ihres Schaffens offenbaren.

Leider hatte ich Vollhirsch eines Tages die überoptimistische Idee, mir das Ziel zu setzen, jeden einzelnen Tag mindestens 10'000 Schritte respektive sieben bis acht Kilometer zu marschieren. Wie gewohnt startet man mit voller Freude und wie gewohnt flacht diese Motivation irgendwann erbarmungslos ab. Auch heute skippte ich mich elendig durch unzählige Songs und Bands. Nichts wollte dieses ganz bestimmte, ungreifbare Gefühl erreichen, nach dem mein Geist vergebens suchte. Bis ich oh-plötzlich vor der neuen Scheibe von Escumergamënt stand: „Apparebat Eidolon Senex“.

Da ich und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch du, kein Latein studiert habe, machte ich mich direkt auf die Suche nach der Bedeutung dieser Zeile. Übersetzt bedeutet der Albumtitel so viel wie „Es erschien das Gespenst eines alten Mannes“. Das weckte nicht nur meine Neugierde, sondern trieb auch die Füsse auf meinem Pfad spürbar an, um diese 10'000 Schritte noch vor Mitternacht vollzumachen.




Ein Schatten aus der Vergangenheit


Escumergamënt krochen vor gut fünf respektive sechs Jahren das erste Mal hinter dem Mond hervor. Obwohl das Projekt damals schon fünf Jahre existierte, veröffentlichten sie erst dann ihr Debütalbum „...ni degu fazentz escumergamënt e mesorga...“ - (Herrgott, geht's noch bisschen komplexer?). Mein Teenager-Ich konnte mit dieser Wand aus Klang damals leider noch nicht allzu viel anfangen, doch mein älteres Ich wurde nun völlig überrannt. Die Gitarren auf diesem Werk schneiden wie feine Nadeln, die sich in die Haut bohren. Als mir dämmerte, dass das neue Material vor mir von genau derselben Band stammte, war ich komplett aus der Bahn geworfen.

Heute schreiben wir den 20. Juni, und vor exakt zehn Tagen veröffentlichten sie nun „Apparebat Eidolon Senex“, wohlgemerkt nach weiteren fünf Jahren, in denen es absolut still um sie war. Es ist immer wieder faszinierend, wie mir Musik genau dann über den Weg läuft, wenn ich die Künstler dahinter kaum mehr auf dem Schirm habe. Vielleicht ist das eine dieser ganz wenigen, guten Eigenschaften, die moderne Streaming-Plattformen besitzen... was mich natürlich nicht davon abhält, euch unten direkt den Bandcamp-Link zu präsentieren. -> Escumergamënt Bandcamp 

Ein elegantes Tuch im Auge des Sturms


Beeindruckt hat mich nicht nur diese tief einfühlsame Melodieführung, sondern auch die Struktur: Das Album wartet mit sieben Tracks auf, die sich über eine Spielzeit von knapp 45 Minuten erstrecken. Keine bloße Single, wie ich fälschlicherweise zunächst vermutet hatte, sondern ein zusammenhängendes Werk!

Gänsehaut und ein völlig unvorhersehbarer Schub an Emotionen und Inspiration überkamen mich beim Hören des ersten Songs „Within The Inner“. Ich wollte danach nur noch so schnell wie möglich nach Hause, um diese Empfindungen ungefiltert auf Papier zu bringen. Normalerweise greife ich bei massiven Alben gerne zum Wort „Brett“, doch kein Begriff dieser Art würde diesem Werk auch nur ansatzweise gerecht werden. Es ist vielmehr wie ein elegantes Tuch oder ein Blatt, das im Auge eines tobenden Sturms völlig unbeeindruckt durch die Lüfte schwebt.

Die Klanglandschaft ist rau, aber keineswegs unatmosphärisch, ganz im Gegenteil. Die Töne schweben durch den Gehörgang und tragen mich schwerelos von Zeile zu Zeile. Hätte ich nicht auf das Veröffentlichungsdatum geschaut, hätte ich geschworen, hier eine Produktion aus den frühen 2000ern vor mir zu haben.

Dissonanzen und unheimliche Pfade


Besonders gepackt hat mich das Intro des dritten Songs. Eine unheimliche, neblige Atmosphäre zieht herauf, gespickt mit feinen Dissonanzen und getragen von unglaublich rauen Vocals. Man fühlt sich fast wie in einem düsteren Horrorfilm, in dem man bei jedem Schwenk der Kamera krampfhaft auf den nächsten Jumpscare wartet... nur dass der rhythmische Wechselschlag in diesem Track niemals an der Stelle kam, an der ich ihn erwartet hatte.

Ein absolut aussergewöhnliches Album. Ein konstantes Auf und Ab, das uns sanft, aber bestimmt in eine völlig unvorhersehbare Welt hüllt.


nebelfund@gmail.com


TRACKLIST – Apparebat Eidolon Senex
  1. Within the Inner
  2. Radiant Glimmering Whorl
  3. The Demon’s Approach
  4. Laudanum and a Silver Scalpel
  5. The Eyeless Festering God
  6. The Corpses Heaven Refused to Take
  7. To the Graves!

Saturday, July 18, 2026

Review: Ravendust - The Beast (2026)

Ravendust - The Beast

Review


Eine fantasievolle Entdeckung...

Manche Musikstücke und Alben verlangen eine bewusste Hingabe des Hörers, da reicht es nicht, das Tape einfach beim Putzen anzumachen. Genau dieses Gefühl bescherte mir das außergewöhnliche Werk „The Beast“ von Ravendust, das am 22. Juni 2026 erschien.

Es war mir sofort klar, dass ich dafür die richtige Stimmung haben muss, bevor ich überhaupt auf „Play“ klicke. Den perfekten mentalen Rückzugsort fand ich schließlich auf einem Spaziergang. Ich verschob das Hören des Albums auf den folgenden Tag. Als mich dann meine unruhigen Gedanken packten, anvertraute ich meinen Zustand auf einem langen, weiten Weg völlig der Kunst von Ravendust – in der Hoffnung, die Klänge würden mich leiten. Was am Ende tatsächlich auch so geschah.

Es ist eine seltene Kunst, wenn ein Musiker sich von den starren Fesseln eines einzelnen Genres befreit, um stattdessen den eigenen, inneren Pfaden zu folgen. Ravendust beweist hier den Mut, die Fragmente seiner Seele wie ein Mosaik zusammenzufügen. Das Ergebnis ist ein Werk voller Kontraste, das sich einer einfachen Kategorisierung entzieht. Es ist mir ein treuer Begleiter für zwei völlig gegensätzliche Welten: Einerseits dient es mir als unerschöpfliche Quelle der Inspiration an kreativen Tagen, andererseits fängt es die melancholische Schwere eines innerlich grauen Tages auf und leitet den Geist sanft in die Introspektion. Ein solch emotionaler Spagat gelingt nur den wenigsten Veröffentlichungen.
Erwachen: Mercyless



Erwachen: Mercyless


Das Album öffnet seine Pforten mit einem Song, der sich bemerkenswert flüssig dem eigenen Schritttempo auf staubigen Pfaden anpasst. Stahlsaiten und tiefgängige, bluesige Elemente bilden ein unerwartetes Fundament. Die größte Überraschung offenbart sich jedoch im Gesang: Ravendust präsentiert sich hier mit cleanen Vocals. Wer ihn sonst unter anderem als Frontmann der Black-Metal-Formation „Malphas“ kennt, wird von einer faszinierenden stimmlichen Wandlung überrollt. Seine Fähigkeit, mit verschiedenen Gesangsstilen zu jonglieren, verleiht dem Einstieg eine packende Dynamik.

Atmosphäre: "Never Enough"


Das zweite Stück „Never Enough“ entfaltet sofort eine fast schon greifbare Kinematographie. Vor dem inneren Auge entsteht das Bild einer schummrigen, vom Rauch gezeichneten Blues-Bar aus längst vergangenen Tagen. Ich sah förmlich den einsamen Mann in der dunkelsten Ecke stehen, das Whiskyglas in der Hand, stoisch versunken in den dissonanten, akustisch verzierten Klängen. Es ist eine Nummer, die eine tiefe Ruhe ausstrahlt und den perfekten Soundtrack liefert, um die eigene Kreativität aus der Reserve zu locken.

Der Titeltrack: The Beast


Bereits im Vorfeld weckten kleine Einblicke auf Social Media eine enorme Erwartungshaltung für den Titeltrack „The Beast“. Besonders die markante, tragende Bassline deutete an, dass sich hier ein persönlicher Favorit verbergen könnte. Und die Vorahnung täuschte nicht. Der Titeltrack entfaltet sich wie eine dramatische Theateraufführung. Es ist eine meisterhafte, tief strukturierte Geschichtenerzählung, die mich als Hörer tief in den Bann zieht.

Zuflucht: Waves, Useless & Raven


"Waves", "Useless" und "Raven": Diese drei Stücke bilden eine untrennbare Einheit, die sich auf meiner eigenen Playlist im permanenten Shuffle dreht. Sie sind der Zufluchtsort, wenn der Geist nach Klängen verlangt, die tiefer graben als die alltäglichen, oberflächlichen Gedanken. Sie erzeugen einen Sog, dem ich mich kaum entziehen kann.

Eine musikalische Weite


"The Man And His Shadow" & "Last Sunset Before The End Of The World": Es gibt Musik, die zu groß für die Enge der eigenen vier Wände ist. Diese beiden Songs besitzen eine so gewaltige, beinahe erdrückende Energie, dass sie das heimische Zimmer sprengen würden. Sie verlangen nach Weite. Sie zwangen mich dazu, aufzustehen, die Tür hinter mir ins Schloss fallen zu lassen und ohne Ziel in die offene Welt hinauszulaufen, während der Horizont in Flammen steht.
Das Rätsel der Welten

Am Ende des Albums offenbarte sich mir eine höchst interessante Welt. Das Album erinnerte mich an den nostalgischen Charme eines epischen 90er-Jahre-RPGs und doch gleichzeitig an eine atmosphärische Runde im engsten Kreis einer Blues-Bar. Wieso es mir so erscheint, bleibt mir selbst ein Rätsel.

Ein monumentales Gesamtkunstwerk


„The Beast“ empfinde ich als ein monumentales Gesamtkunstwerk. Ravendust hat hier ein Album erschaffen, das jenseits aller Schubladen und Label-Stempel existiert. Es transportiert reine Emotionen, für die herkömmliche Worte kaum ausreichen. Ein Werk, das man jedem Musikliebhaber, völlig unabhängig vom bevorzugten Genre, nur wärmstens ans Herz legen kann! Geh raus in die Natur, setze die Kopfhörer auf und lass diese Essenz auf deine Seele wirken.

nebelfund@gmail.com

Tracklist

  1. Mercyless
  2. Never Enough
  3. 7 Days To Find Your Love
  4. The Beast
  5. Waves
  6. Useless
  7. The Man And His Shadow
  8. Last Sunset Before The End Of The World
  9. Raven

Thursday, July 16, 2026

Ondfødt - FREE ENTRY SHOW!

Ondfødt

Ein finsteres Aufbäumen im Sommerloch


Die Finnen von Ondfødt fallen über uns her, um die Schweizer Seelen vom grossen Black Metal-Verdursten zu erlösen. Es ist nicht nur der einzige Gig der Truppe in der Schweiz, sondern aller Voraussicht nach auch das einzige Black Metal-Beben überhaupt in diesem zähen Sommerloch. Man kann es ja verstehen: Bei dieser schmachtenden Hitze möchte man sich am liebsten tief im Schatten verkriechen und erst im kühlen Herbst wieder das Licht erblicken. Doch für dieses Spektakel lohnt es sich, die Dunkelheit zu verlassen – zumal dieser Gig bereits am 24. Juli stattfindet, also in genau einer Woche... und es ist free entry, auch wenn ihnen ein kleiner Batzen sicherlich nicht vertreibt - sie kommen von weit her!

Den Eventlink findet ganz unten in den Zeilen. Doch bevor ihr euch aufmacht, um euch diesen Live-Gig zu sichern, lasst mich euch die Geschichte dieser grossartigen Band aus Finnland näherbringen.



Ein spätes Erwachen und tiefe Wurzeln


Obwohl es die Truppe bereits seit 2013 gibt und sie sich seither keine Pausen gönnten, um uns direkt im Gründungsjahr ihre EP „I“ zu präsentieren, ein Werk, das ich euch übrigens nur wärmstens ans Herz legen kann und das zu meinen persönlichen Favoriten gehört, kenne ich die Band selbst noch gar nicht so viele Jahre. Das ist fast schon ein bisschen zum in die Fäustchen zu lachen, wenn man bedenkt, dass die Mitglieder in Gruppen aktiv waren und sind, für die ich schon sehr lange schwärme. Namen wie Kvaen, Tenebrae Aeternum, Outlaw oder As The Sun Falls sprechen da eine deutliche Sprache!

Über diese 13 Jahre haben Ondfødt unermüdlich für uns geschuftet. Wer sie also bisher noch nicht auf dem Schirm hatte oder schlichtweg noch nicht dazu kam, in ihre Klangwelten einzutauchen: Es stehen uns mittlerweile stolze fünf Langgrillen und zwei EPs vor der Nase, die darauf warten, mit Genuss seziert zu werden.

Die Rückkehr in die... bekannte Festung


Vor ziemlich genau einem Jahr durfte ich Ondfødt im selben Lokal live erleben. Ort des Geschehens ist das Valhalla Basel, was diesen Abend für mich persönlich noch einmal um einiges attraktiver macht. Es ist ein absolutes Spitzenlokal, eine solche faszinierende Atmosphäre findet man bei uns im Lande kein zweites Mal. An dieser Stelle auch ein grosser Appell und Gruss an Raphael und sein ganzes Team, die immer hilfsbereit und äusserst freundlich hinter den Tresen stehen. :)


Es ist angerichtet für ein glorreiches Gelage inmitten der Sommerhitze. Packt eure Leute ein, unterstützt den lokalen Untergrund und lasst uns den Finnen einen gebührenden Empfang bereiten. Wir sehen uns vor den Boxen.

Hörprobe gibt es hier:

🎫: Hier geht es zum Ondfødt Event – 24.07.2026: 
Event Ondfødt

🎸: Das Lokal:
Valhalla Basel

Incantation Tour 2027 - Nordjevel, Svarttjern, Malphas, Unviâr

 INCANTATION TOUR 2027 Nach langem Rätseln, Warten und Spekulieren haben die vier Bands heute die Katze aus dem Sack gelassen: Die INCANTATI...