Sunday, July 26, 2026

REVIEW: BRENEK - Das Tote Ganze (Debüt EP)


BRENEK - Das Tote Ganze (Debüt EP)


Das tote Ganze"  ist meilenweit entfernt von einer perfekten, überproduzierten Produktion. Die Kiste knarzt, aber entwickelt gerade durch dieses Ungehobelte eine Eigendynamik, bei der man gerne mehrmals hinhören darf.


BRENEK nennt sich das Duo aus Weimar. Was mich von Anfang an anzog, war nicht nur die Einordnung im Progressive Black Metal, was seit Beginn meiner Black Metal Leidenschaft ohnehin mein absolutes Lieblingsgenre ist, sondern auch der Name des Projekts selbst. Brenek lässt mich persönlich sofort an Feuer denken. Ob die Wurzeln tatsächlich im Slawischen liegen, entzieht sich meiner Kenntnis, doch als Metapher ist das Subjekt „Feuer“ keineswegs abwegig. Diese EP brennt sich in den Gehörgang - manchmal hinterlässt sie Glut mit einem fragenden Gesichtsausdruck, manchmal ein Staunen und den Gedanken, was ein solch kleines Feuerchen noch nach sich ziehen könnte.




Alte Wurzeln, neue Flammen


Auch wenn „Das Tote Ganze“ ihre Debüt-EP ist und man meinen könnte, hier betreten zwei Neulinge zum ersten Mal die dunklen Pfade des extremen Metal: Weit gefehlt. "Schlargh" tut bereits seit 1999 bei der deutschen Melodic Death Metal Truppe Abrogation sein Unwesen hinter den Drums, und auch Brants (Vocals, Gitarre & Bass) klangliche Fussabdrücke reichen fast zwei Jahrzehnte weit zurück, lange vor der Geburt von Brenek.

Was uns die beiden am 8. Juni in die Hände entlassen haben, trägt absolut nichts von einer modernen Überproduktion. Vier Songs, eine Spielzeit von genau 23 Minuten und 48 Sekunden, wobei drei der vier Tracks stramm an der Sechs Minuten Marke kratzen!

BRENEK balancieren hier auf der Schnittstelle zwischen Nostalgie und Fortschritt. Statt puristischer Verharmlosung oder radikaler Dekonstruktion nutzen sie avantgardistische Zwischentöne als Werkzeug, um das klassische Grundgerüst aufzuwerten. Das Ergebnis erweckt Traditionsbewusstsein, gleichzeitig aber auch genug Eigenständigkeit, um verstaubte Hörstrukturen aufzubrechen.

Leben Ist Silber (Leiden Ist Gold)


Ein tieffrequentes Fundament und aufheulende Saiten brechen das Schweigen, während eine giftige, schleifende Poesie augenblicklich eine finstere Kulisse erschafft. Wer versucht, den verbitterten Wortkaskaden inhaltlich zu folgen, wird sofort von einer rohen, gewaltigen Klangwand überrollt. Aus vollendeter Ablehnung gespeist, verbindet das Zweigespann die ursprüngliche DNA des Genres mit weitläufigen Strukturen. Es entsteht ein eisiger Raum, in dem urtümliche Raserei auf schmerzhafte Disharmonien trifft. Unerwartete, fast schon genrefremde Akzente von akustischen, folkig angehauchten Einschüben mitten im Stück bis hin zu wiegenden Rhythmen, einem tragenden Solo und einem zähen, wuchtigen Ausklang - brechen die Starre auf und hinterlassen ein zutiefst rohes und doch irgendwie elegantes Gesamtkunstwerk.

Die Poesie der Unberührtheit


Musikalisch passiert auf diesem Werk enorm viel: Die unaufhörlich sirrenden Gitarren weben einen dichten, düsteren Teppich. Genau diese sture Monotonie sehe ich keineswegs als Makel, sondern als grösste Stärke der Kompositionen, sie brennt die zugrundeliegende Melancholie tiefer in den Kopf, als es jedes überproduzierte Riff je könnte.

Mit „Das Weltenschwelen“ marschiert die Scheibe auf demselben dunklen Pfad weiter. Wer sterile, im Studio glattgebügelte Fließband-Produktionen erwartet, wird beim späten, bockigen Saitenausflug vermutlich kurz stutzen. Doch exakt diese unpolierte Sperrigkeit verleiht der Nummer eine unverfälschte, Seelen-seziierende Authentizität... auch wenn ich kurz ein Auge zukniff.

In „Der Wolf, der Narr“ folgt schließlich der vollständige Abstieg in den Dreck. Wo feingeistige Klangfetischisten nur ein unstrukturiertes Gepolter ausmachen wollen, offenbart sich für Anhänger der alten Schule die wahre, ungezähmte Faszination des Untergrunds. Ein staubiger, roher Sound, der den Sack zum Beginn der Veröffentlichung nahtlos zumacht.

Ein roher Diamant


Das Tote Ganze“ ist ein zweischneidiges Schwert: Überzeugend finde ich persönlich genau diese holprigen Stellen, den unrunden Mix und das Gefühl, etwas Echtes, menschengemachtes im Gehörgang zu haben. Und dennoch gibt es Momente, bei denen so mancher Verfechter von Studio-Perfektionismus kurz große Augen machen dürfte. Es ist kein todgeschliffenes Messer, sondern ein roher Diamant, dessen unpolierte Ecken und Kanten das Licht in viele verschiedene Richtungen brechen. Ob man das schätzt, bleibt wie immer subjektiv - Ich für meinen Teil trage die Narben dieses Werks mit Stolz und bin höchst gespannt auf die Zukunft des Projekts.

nebelfund@gmail.com

TRACKLIST

  1. Leben ist Silber (Leiden ist Gold)
  2. Mein Tod
  3. Das Weltenschwelen
  4. Der Wolf, der Narr

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